Uta Pape begibt sich auf die Spuren der musikalischen Verwandtschaft zwischen Walther, von Westhoff und Bach

Einen faszinierenden Einblick in die Entstehungszeit der heutigen Violintechnik gewährt die aktuelle CD von Barockviolinistin Uta Pape (Ars Produktion, SACD Hybrid Multichannel 5.1, VÖ 02.01.2013). Werke von Johann Jacob Walther (1650-1717), Johann Paul von Westhoff (1656-1705) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) liefern ein brillantes Zeugnis der zunehmenden Virtuosität, der wachsenden Perfektionierung individueller Techniken und des mehrstimmigen Geigenspiels in Mitteldeutschland. Begleitet wird Uta Pape auf der CD von drei Spezialisten ihres Faches: Klaus Mader (Theorbe), Olaf Reimers (Barockvioloncello) und Wolf-Eckart Dietrich (Cembalo).

Mit den Kompositionen von Johann Jacob Walther und Johann Paul von Westhoff  werden auf der CD zwei Meister in den Mittelpunkt gerückt, die entscheidende Schwerpunkte in der Entwicklung der Violintechnik setzten und Johann Sebastian Bach stark beeinflussten. Uta Pape macht die Geschichte der Violinvirtuosität durch ausgereifte Interpretation, makellose Beherrschung des Instrumentes und ihr einzigartiges Gespür für diese Musik zu einem wahren Spielgenuss!

Mit der Entwicklung der Diminutionskunst und der Verwendung von fantasievollen Variationssätzen bildeten sich im 17. Jahrhundert technische Fertigkeiten heraus, wie Bogenführung, Lagen- und Passagenspiel. Die Neuheiten „trainierte“ man anhand der Kompositionen der Zeit, da Etüden und Violinschulen, wie wir sie heute kennen, noch nicht existierten.

Johann Jacob Walther gilt als einer der größten deutschen Violinisten des 17. Jahrhunderts, der auch als Paganini seiner Zeit bezeichnet wird. Er vereint in seinen Werken nicht nur bisherige technische Besonderheiten, sondern schafft darüber hinaus eine enorme Steigerung der Virtuosität, die bis zur Ära Johann Sebastian Bachs nicht übertroffen wurde. Für das Album spielte Uta Pape die Sonata Nr. 2 A-Dur sowie die Aria in forma di Sonatina Nr. 14 g-Moll aus „Hortulus Chelicus“ ein.

Von Westhoffs Solosuiten aus dem Jahr 1696 gelten als die einzigen in dieser Besetzung, die vor Johann Sebastian Bachs Meisterwerken geschrieben wurden und leisten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des polyphonen Violinspiels in Deutschland. Zu lesen ist dies in der 1974 bei der Edition Peters herausgegebenen Faksimileausgabe der Solosuiten. Auf dem Album sind die Suite Nr. 5 d-Moll sowie die Sonate Nr. 2 a-Moll zu hören.

Johann Jacob Walther und Johann Paul von Westhoff gehörten von 1674 bis 1680 der Dresdner Hofkapelle an. Walther folgte im Anschluss einer Stelle als italienischer Sekretär an den kurfürstlichen Hof in Mainz und von Westhoff ging 1698 nach mehreren Auslandsaufenthalten als “Violinista und Kammersekretarius” an den Hof von Weimar. Dort hielt sich auch Johann Sebastian Bach im Jahre 1703 vorübergehend auf. Er muss die Kompositionen Walthers und von Westhoffs gekannt haben, da die technische Verwandtschaft der drei Komponisten deutlich erkennbar ist: sei es die Behandlung der Mehrstimmigkeit in der Violine, die Bogentechnik, die Anordnung der Sätze oder die Wechsel von polyphonem und einstimmigem Spiel.

Uta Pape widmet sich seit ihrer Jugend der Aufführungspraxis Alter Musik auf historischen Instrumenten. Auf dem Gebiet profitierte sie von der Zusammenarbeit mit Helga Thoene, Monica Hugget, Jesper Christensen und Reinhard Goebel. 2004 ergänzte sie ihre Ausbildung durch ein Aufbaustudium im Fach Barockvioline an der Bremer „Akademie für Alte Musik“ bei Thomas Albert. Seit 2001 ist sie Mitglied der Bielefelder Philharmoniker. Darüber hinaus konzertiert sie mit renommierten Barockensembles und leitet Kurse für Violine und Barockvioline.

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Walther – Westhoff – Bach
Ars Produktion
ARS 38126
LC06900
ASCD
Total: 61’52
Aufnahme: 11.-15. Juli 2012, Immanuelskirche Wuppertal

Uta Pape – Barockvioline
Klaus Mader – Theorbe
Olaf Reimers – Barockvioloncello
Wolf-Eckart Dietrich – Cembalo

www.pape-violine.de

 

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