Eine Familie – drei Generationen – zwei Weltersteinspielungen

 
Eine dänische Kompositions- und Familiengeschichte macht das Bläserquintett CARION aus Kopenhagen auf der neuen CD (CARION plays Koppel, DACAPO, VÖ Deutschland 20. Mai) hörbar. Es sind Werke von Vater, Sohn und Enkel der Familie Koppel. Die ausgewählten Kompositionen sind zwischen 1932 und 2002 geschrieben und faszinieren über die familiären Verbindung hinaus mit einer ihnen eigenen Charakteristik, die kaum unterschiedlicher sein könnte: Formelemente, die der Idee der „Neuen Sachlichkeit“ entsprechen, treffen hier auf Italienische Volksmusik, Jazz und Salsa. Diese außergewöhnliche Zusammenstellung ist eine Entdeckung der dänischen Musikszene und zugleich eine bemerkenswerte Erweiterung des Repertoires für Bläserquintett.
 
Die Werke von Herman D. Koppel, Anders Koppel und Benjamin Koppel entstanden nicht auf dem Fundament einer Kompositions-Ausbildung an der Musikhochschule, sondern aus ihrem Schaffen als aktive Musiker: Herman D. Koppel galt von den 30er Jahren bis zu seinem Tod 1998 als erfolgreichster Konzertpianist Dänemarks. Anders Koppel bereichert die Dänische Musikszene als Organist u.a. in Savage Rose und dem Weltmusik-Orchester Bazaar. Benjamin Koppel machte sich einen Namen als Saxophonist und ist seit den 90er Jahren einer der führenden Jazz-Musiker Dänemarks.
 
Der Vater Herman D. Koppel entfaltet in seiner Sonatina op. 16 von 1932 ein ausdrucksstarkes Geflecht aus einer Vielzahl musikalischer Motive. Scheinbar inspiriert von Nielsens Bläserquintett, baut Koppel zart fließende harmonische Ebenen, die sich verdichten und eine hohe technische Versiertheit des Ensembles verlangen.
 
Voller Witz, Verspieltheit und theatralischem Temperament steckt das bislang einzige Bläserquintett von Anders Koppel aus dem Jahr 2002, das in einer Weltersteinspielung auf der CD zu hören ist. Angelehnt an den Humor der commedia dell’arte sprüht das Werk vor italienischer Lebensfreude und wird zur Bühne eines imaginären Puppentheaters.
 
Angezogen vom lustigen und zugleich finsteren Universum des Cartoons Krazy Kat von George Herriman komponierte Benjamin Koppel im Jahr 2000 Krazy Kat Music. Das Stück, ebenfalls eine Weltersteinspielung, lebt von rhythmischer Energie und Virtuosität und unterstreicht durch die filigrane Ausarbeitung der einzelnen Stimmen die Individualität jedes Instrumentes. Im Zusammenspiel lässt Benjamin Koppel ein raffiniertes kammermusikalisches Geflecht mit vielen Überraschungsmomenten entstehen.
 
CARION ist unermüdlich auf der Suche nach neuen Dimensionen der Musik und arbeitet regelmäßig mit zeitgenössischen Komponisten zusammen, um das klassisch besetzte Bläserquintett als Ensembleform im 21. Jahrhundert weiter zu entwickeln. Auch hinsichtlich der Aufführung geht CARION neue Wege. Das Quintett lässt durch eine faszinierende Präsentation klassischer Meisterwerke aufhorchen und macht Musik auf der Bühne sichtbar. In direkter Kommunikation mit dem Publikum, ohne eingeschränkten Blick durch Notenständer, bewegen sich die fünf Musiker auf der Bühne und enthüllen die Architektur der Kompositionen. Alle Werke werden auswendig vorgetragen. Die Konzerte sind somit ein auditives und visuelles Erlebnis. Für den Zuhörer erschließt sich ein neuer Zugang, Kompositionen leichter zu verstehen und zu genießen. Publikum wie Kritiker erleben diesen innovativen Ansatz als Neukreation der klassischen Aufführungstradition. Dabei verliert das Ensemble das Wichtigste niemals aus dem Blick: die Interpretation von klassischen und modernen Werke auf höchstem Niveau.
 
CARION ist dritter Preisträger des internationalen Kammermusikwettbewerbs Osaka 2011 (Japan). Weitere Erfolge erzielte es u.a. beim Kammermusikwettbewerb des Dänischen Rundfunks 2004 sowie den beim Internationalen Musikwettbewerb „Marco Fiorindo“ in Turin 2006 (1. Preis). 2006 war CARION Semifinalist beim ARD-Musikwettbewerb. Gemeinsame  Projekte realisierten die fünf Musiker u.a. mit dem legendären Flötisten Sir James Galway und dem Leipziger Streichquartett. Konzerte führten das Ensemble unter anderem zum Al Bustan Festival in Beirut (Libanon), zu den Walkenrieder Klosterkonzerten, dem Oberstdorfer Musiksommer, den Meßdorfer Musikfesttagen und nach Nürtingen. 2012 debütierte CARION bei den Dubai Concert Series.
 
 
Bestell-Nr.: Dacapo 8.226107 (Vertrieb Deutschland: Naxos Global Logistics GmbH)
Total: 42:32
 
 
CARION
 
Dora Seres – Flöte
Egils Upatnieks – Oboe
Egīls Šēfers – Klarinette
David M.A.P. Palmquist – Horn
Niels Anders Vedsten Larsen – Fagott
 
www.carion.dk

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